Jod (I)

Jod (I)

Jod

Der Name des Elementes Jod (chem. Symbol I) kommt aus dem Griechischen „ioeides“(= veilchenfarbig) wegen der Farbe seiner Dämpfe. Jod ist ein Nichtmetall  und gehört zu der Gruppe der Halogene („Salzbildner“) wie z.B. Fluor und Chlor.

In der Natur kommt es zu 100% als stabiles nicht radioaktives Isotop I-127 vor. Von Jod sind über 30 weitere künstliche Isotope bekannt, von denen das I-129 mit 15.700.000 Jahren die längste Halbwertszeit hat. Radioaktive Jod-Isotope entstehen u.a. bei der Kernspaltung in Kernreaktoren.

Jod ist ein essenzielles Spurenelement für Tiere und Menschen, z.B. als Baustein des Schilddrüsenhormons Thyroxin.

Freigesetztes radioaktives Jod wie z.B. I-131 oder I-133 gelangt vor allem über die Atmung in den menschlichen Körper. Zusätzlich kann es auch über die Nahrung aufgenommen werden. Gelangt radioaktives Jod in den Körper, wird es in der Schilddrüse gespeichert. Beim Zerfall des radioaktiven Jods entsteht Beta-Strahlung.

Die Gefahr, die von radioaktivem Jod ausgeht, ist vor allem in den ersten Tagen und Wochen nach einem Atomunfall groß. Im Vergleich zu anderen radioaktiven Stoffen weisen die Jod-Isotope vergleichsweises kurze Halbwertszeiten auf, siehe Tabelle 1.

Tab. 1: Halbwertszeiten einiger ausgewählter Jod-Isotope

Isotop
Halbwertszeit
I-131
8,02070 d
I-132
2,295 h
I-133
20,8 h
I-135
6,57 h

In den ersten Tagen nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl gab es in der Umgebung des Reaktors hohe Konzentrationen an I-131 und den kurzlebigen I-132, I-133 und I-135 in der Luft und in den ersten Wochen auch in den Nahrungsmitteln. Aufgrund mangelnder Gegenmaßnahmen führte dies zu beträchtlichen Schilddrüsendosen in der Bevölkerung. Hohe Schilddrüsendosen führen zu einer Erhöhung der Erkrankungsrate an Schilddrüsenkrebs. Besonders gefährdet sind Kleinkinder. Bei der gleichen inkorporierten Aktivität wie bei einem Erwachsenen ist aufgrund der geringeren Schilddrüsenmasse des Kleinkindes die resultierende Dosis um den Faktor 5 bis 10 höher.

Eine rechtzeitige Information der Bevölkerung, die Versorgung mit Jodtabletten und ein Verbot des Verzehrs lokal erzeugter Milch hätte dazu geführt, dass ein wesentlicher Teil der gesundheitlichen Folgen des Unfalls hätte vermieden werden können.
Die vergleichsweise kurzen Halbwertszeiten des I-131 bedeuten, dass nach insgesamt drei Monaten die Aktivität unter einem Promille der Anfangsaktivität liegt. Messungen in Tschernobyl haben ergeben, dass dort das I-131 wenige Monate nach dem Unfall nicht mehr nachweisbar war.

Kurz nach dem Eintreffen der radioaktiven Luftmassen in Deutschland Ende April/Anfang Mai 1986 führte die direkte Ablagerung radioaktiver Stoffe auf Weideflächen und einigen wenigen erntereifen Kulturen zu hohen Gehalten von I-131 in Kuhmilch und Blattgemüse, wie beispielsweise Spinat im süddeutschen Raum. Als Reaktion darauf empfahl die Strahlenschutzkommission (SSK) Anfang Mai 1986, nur Frischmilch mit weniger als 500 Bq/l I-131 und frisches Blattgemüse mit weniger als 250 Bq/kg I-131 zum direkten Verzehr freizugeben. Aufgrund der kurzen Halbwertszeit des I-131 waren aus Sicht des Strahlenschutzes nach wenigen Wochen keine weiteren Maßnahmen mehr notwendig.

(Literatur: [BFS 09] Bundesamt für Strahlenschutz: Tschernobyl – 20 Jahre Danach, Salzgitter 2009, 2. Auflage; [SSK 06] Berichte der Strahlenschutzkommission (SSK), 20 Jahre nach Tschernobyl, Heft 50 (2006),  Hoffmann GmbH-Fachverlag, Berlin)