GRS-Notfallmanagement im Rahmen des Erdbebenereignisses in Japan am 11. März 2011

GRS-Notfallmanagement im Rahmen des Erdbebenereignisses in Japan am 11. März 2011

GRS-Notfallzentrum
Die GRS hat sich in § 3 der Rahmenvereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der GRS verpflichtet, fachkundiges Personal und eine entsprechende Infrastruktur auch für Störfallbedingungen bereitzuhalten. Sie hat deshalb eine eigene Notfallorganisation aufgebaut. Deren Aufgabe ist es, die Notfallorganisation des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit bei Ereignissen im In- und Ausland zu unterstützen und das integrale kerntechnische Know-How der GRS zur Verfügung zu stellen.

Zur Gewährleistung dieser Unterstützungsverpflichtung ist die GRS rund um die Uhr durch ihre Rufbereitschaft erreichbar, die gegebenenfalls auch die GRS-Notfallorganisation  aktiviert.

Die Notfallorganisation stützt sich auf ein Team von ca. 50 bis 60 GRS-Experten der unterschiedlichsten Fachrichtungen wie z.B.  Anlagentechnik, Thermohydraulik, PSA, Leittechnik, Strahlenschutz usw. ab, die gegebenenfalls durch weitere Experten erweitert  werden kann, um damit  bei einem länger andauernden  Ereignis der Schichtbetrieb zu gewährleisten.  Zusätzlich stehen bei Bedarf zur Unterstützung des Notfallstabes   IT-Spezialisten und Bewirtung usw.  auch außerhalb der Dienstzeiten zur Verfügung.

Das Notfallteam ist während der Dienstzeit innerhalb 10 Minuten, außerhalb der Dienstzeiten innerhalb von 1 bis 2 Stunden arbeitsbereit.

Für seine Arbeit verfügt der GRS-Notfallstab grundsätzlich über das gesamte  Spektrum an GRS-Software und die GRS-Informationsquellen sowohl  in elektronischer als auch in Papierform. Zusätzlich nutzt der Stab auch die Kontakte zu ausländischen Behörden und technischen Sachverständigenorganisationen, über die die GRS durch ihre bilateralen und internationalen  Beziehungen verfügt.

Speziell für das Notfallmanagement wurden für alle deutschen und für einige grenznahe Kernkraftwerke sogenannte Basisdatensätze erstellt, die eine kurze und kompakte Beschreibung der jeweiligen Anlage liefern.

Durch Anbindung an das elektronische Lage-Darstellungssystem für den Notfallschutz (ELAN) des Bundesamtes für Strahlenschutz ist eine online Anbindung an die Informationsquellen des Bundes gegeben.

Arbeiten der GRS im Zusammenhang mit den Ereignissen in Fukushima
Nach Auflaufen der ersten Medieninformationen zu dem Erdbebenereignis in Japan am Freitag den 11. März 2011 um ca. 7:30 Uhr MEZ erfolgte eine erste Ereignisanalyse durch die zuständigen GRS-Experten im üblichen betrieblichen Rahmen (involviert  anfänglich 3 bis 4 GRS-Experten).

Erste telefonische Kontakte mit dem BMU zu diesem Ereignis erfolgten gegen etwa 9:00 Uhr MEZ.
Um  9:22 Uhr MEZ ging bei der GRS die erste E-Mail mit konkreten Informationswünschen des BMU ein.

Auf Basis der einlaufenden Medieninformationen  war ab etwa 10:30-11:00 Uhr MEZ eine Eskalation der Situation in den Kernkraftwerken, vor allem an dem Standort Fukushima,  erkennbar. Auf Wunsch des BMU wurde am Freitag, den 11. März 2011, um 12:00 Uhr MEZ die erste Lagedarstellung  an den BMU übersandt.

Um ca. 12:30 Uhr  MEZ wurde von dem zuständigen GRS-Bereichsleiter und Leiter des GRS-Notfallstabes die GRS-Notfallorganisation aktiviert und der dafür vorgesehene Notfallraum bezogen. Das Notfallteam wurde auf anfänglich 10, später  bis zu 14 Personen aufgestockt.  

Die Geschäftsleitung wurde kontinuierlich über die Lage informiert bzw. war im Notfallzentrum selbst anwesend.
Hauptaufgabe des Notfallstabes zu diesem Zeitpunkt war vor allem die Verfolgung und fachliche Interpretation der Medienveröffentlichungen, da der Betreiber bzw. die japanische Behörde nur mit großer zeitlicher Verzögerung  und  anfänglich auch nur sehr rudimentär  Informationen zur Verfügung stellten. Mit Fortschritt des Ereignisses wurden weitere Informationsquellen wie z.B. INES-Informationen usw. hinzugezogen.

Aufgrund der  sich entwickelnden  Situation in Japan wurde am 11. März 2011 nachmittags  für den Notfallstab ein Schichtbetrieb rund um die Uhr eingerichtet.

Durch die weiter eskalierende Situation in den nachfolgenden Tagen, speziell an dem Standort Fukushima I (Daiichi), und des großen Medieninteresses wurde das Personal des Notfallstabes teilweise  bis auf ca. 20 Personen aufgestockt. Dies betraf vor allem die Stäbe  Strahlenschutz und Öffentlichkeitsarbeit. Zur Absicherung unserer Medieninformationen und da viele Informationen seitens des Betreibers TEPCO bzw. seitens der japanischen Regierung nur in Japanisch verfügbar waren, wurde zusätzlich eine Japanisch-Übersetzerin hinzugezogen.  

Zur besseren Information der Öffentlichkeit wurden ab der 11. Woche die Lageeinschätzungen der GRS auf der Internetseite der GRS veröffentlicht, teilweise auch in Englisch. Aufgrund der hohen Nachfrage nach den dort eingestellten Informationen wurde ein weiterer Stab für die Aktualisierung und den Ausbau des Informationsangebots eingerichtet.
Im Rahmen der Arbeit erfolgte auch ein Informationsaustausch mit befreundeten Institutionen, so dem IRSN in Paris, der schweizerischen Behörde ENSI und der britischen Behörde HSE.

Arbeiten des erweiterten GRS-Notfallstabes
Von Unfallbeginn bis einschließlich Freitag den 25. März 2011 wurden  insgesamt  46 Lagedarstellungen  von dem GRS- Notfallstab erstellt. In der Anfangsphase waren dies 6 pro Tag. Mit Fortschreiten des Informationsstandes reduzierte sich dies auf 2 Lagedarstellungen  pro Tag in der 12. Woche.

Die Informationen zur radiologischen Lage waren in der Anfangsphase des Ereignisses,  auch international, die einzigen verlässlichen Informationen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung standen.

Von dem Stab Öffentlichkeitsarbeit  wurden insgesamt über  500 Presseanfragen angenommen und bearbeitet. Insgesamt  20 Fernsehinterviews durch GRS-Mitarbeiter, vor allem von Herrn Dokter und Professor Weiß, wurden in dieser Zeit gegeben. Insgesamt mehr als 1,5 Millionen Seitenaufrufe erfolgten in dieser Zeit auf die Internetseiten der GRS.