© 2012 Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mbH
GRS-Notfallzentrum
Die GRS hat sich in § 3 der Rahmenvereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der GRS verpflichtet, fachkundiges Personal und eine entsprechende Infrastruktur auch für Störfallbedingungen bereitzuhalten. Sie hat deshalb eine eigene Notfallorganisation aufgebaut. Deren Aufgabe ist es, die Notfallorganisation des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit bei Ereignissen im In- und Ausland zu unterstützen und das integrale kerntechnische Know-How der GRS zur Verfügung zu stellen.
Zur Gewährleistung dieser Unterstützungsverpflichtung ist die GRS rund um die Uhr durch ihre Rufbereitschaft erreichbar, die gegebenenfalls auch die GRS-Notfallorganisation aktiviert.
Die Notfallorganisation stützt sich auf ein Team von ca. 50 bis 60 GRS-Experten der unterschiedlichsten Fachrichtungen wie z.B. Anlagentechnik, Thermohydraulik, PSA, Leittechnik, Strahlenschutz usw. ab, die gegebenenfalls durch weitere Experten erweitert werden kann, um damit bei einem länger andauernden Ereignis der Schichtbetrieb zu gewährleisten. Zusätzlich stehen bei Bedarf zur Unterstützung des Notfallstabes IT-Spezialisten und Bewirtung usw. auch außerhalb der Dienstzeiten zur Verfügung.
Das Notfallteam ist während der Dienstzeit innerhalb 10 Minuten, außerhalb der Dienstzeiten innerhalb von 1 bis 2 Stunden arbeitsbereit.
Für seine Arbeit verfügt der GRS-Notfallstab grundsätzlich über das gesamte Spektrum an GRS-Software und die GRS-Informationsquellen sowohl in elektronischer als auch in Papierform. Zusätzlich nutzt der Stab auch die Kontakte zu ausländischen Behörden und technischen Sachverständigenorganisationen, über die die GRS durch ihre bilateralen und internationalen Beziehungen verfügt.
Speziell für das Notfallmanagement wurden für alle deutschen und für einige grenznahe Kernkraftwerke sogenannte Basisdatensätze erstellt, die eine kurze und kompakte Beschreibung der jeweiligen Anlage liefern.
Durch Anbindung an das elektronische Lage-Darstellungssystem für den Notfallschutz (ELAN) des Bundesamtes für Strahlenschutz ist eine online Anbindung an die Informationsquellen des Bundes gegeben.
Arbeiten der GRS im Zusammenhang mit den Ereignissen in Fukushima
Nach Auflaufen der ersten Medieninformationen zu dem Erdbebenereignis in Japan am Freitag den 11. März 2011 um ca. 7:30 Uhr MEZ erfolgte eine erste Ereignisanalyse durch die zuständigen GRS-Experten im üblichen betrieblichen Rahmen (involviert anfänglich 3 bis 4 GRS-Experten).
Erste telefonische Kontakte mit dem BMU zu diesem Ereignis erfolgten gegen etwa 9:00 Uhr MEZ.
Um 9:22 Uhr MEZ ging bei der GRS die erste E-Mail mit konkreten Informationswünschen des BMU ein.
Auf Basis der einlaufenden Medieninformationen war ab etwa 10:30-11:00 Uhr MEZ eine Eskalation der Situation in den Kernkraftwerken, vor allem an dem Standort Fukushima, erkennbar. Auf Wunsch des BMU wurde am Freitag, den 11. März 2011, um 12:00 Uhr MEZ die erste Lagedarstellung an den BMU übersandt.
Um ca. 12:30 Uhr MEZ wurde von dem zuständigen GRS-Bereichsleiter und Leiter des GRS-Notfallstabes die GRS-Notfallorganisation aktiviert und der dafür vorgesehene Notfallraum bezogen. Das Notfallteam wurde auf anfänglich 10, später bis zu 14 Personen aufgestockt.
Die Geschäftsleitung wurde kontinuierlich über die Lage informiert bzw. war im Notfallzentrum selbst anwesend.
Hauptaufgabe des Notfallstabes zu diesem Zeitpunkt war vor allem die Verfolgung und fachliche Interpretation der Medienveröffentlichungen, da der Betreiber bzw. die japanische Behörde nur mit großer zeitlicher Verzögerung und anfänglich auch nur sehr rudimentär Informationen zur Verfügung stellten. Mit Fortschritt des Ereignisses wurden weitere Informationsquellen wie z.B. INES-Informationen usw. hinzugezogen.
Aufgrund der sich entwickelnden Situation in Japan wurde am 11. März 2011 nachmittags für den Notfallstab ein Schichtbetrieb rund um die Uhr eingerichtet.
Durch die weiter eskalierende Situation in den nachfolgenden Tagen, speziell an dem Standort Fukushima I (Daiichi), und des großen Medieninteresses wurde das Personal des Notfallstabes teilweise bis auf ca. 20 Personen aufgestockt. Dies betraf vor allem die Stäbe Strahlenschutz und Öffentlichkeitsarbeit. Zur Absicherung unserer Medieninformationen und da viele Informationen seitens des Betreibers TEPCO bzw. seitens der japanischen Regierung nur in Japanisch verfügbar waren, wurde zusätzlich eine Japanisch-Übersetzerin hinzugezogen.
Zur besseren Information der Öffentlichkeit wurden ab der 11. Woche die Lageeinschätzungen der GRS auf der Internetseite der GRS veröffentlicht, teilweise auch in Englisch. Aufgrund der hohen Nachfrage nach den dort eingestellten Informationen wurde ein weiterer Stab für die Aktualisierung und den Ausbau des Informationsangebots eingerichtet.
Im Rahmen der Arbeit erfolgte auch ein Informationsaustausch mit befreundeten Institutionen, so dem IRSN in Paris, der schweizerischen Behörde ENSI und der britischen Behörde HSE.
Arbeiten des erweiterten GRS-Notfallstabes
Von Unfallbeginn bis einschließlich Freitag den 25. März 2011 wurden insgesamt 46 Lagedarstellungen von dem GRS- Notfallstab erstellt. In der Anfangsphase waren dies 6 pro Tag. Mit Fortschreiten des Informationsstandes reduzierte sich dies auf 2 Lagedarstellungen pro Tag in der 12. Woche.
Die Informationen zur radiologischen Lage waren in der Anfangsphase des Ereignisses, auch international, die einzigen verlässlichen Informationen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung standen.
Von dem Stab Öffentlichkeitsarbeit wurden insgesamt über 500 Presseanfragen angenommen und bearbeitet. Insgesamt 20 Fernsehinterviews durch GRS-Mitarbeiter, vor allem von Herrn Dokter und Professor Weiß, wurden in dieser Zeit gegeben. Insgesamt mehr als 1,5 Millionen Seitenaufrufe erfolgten in dieser Zeit auf die Internetseiten der GRS.