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Sachlage am Standort Fukushima
Im Bereich des KKW Fukushima Daiichi wurden im Meerwasser Kontaminationen mit künstlichen radioaktiven Stoffen festgestellt. Seit dem 21.03.2011 wird vom Betreiber TEPCO systematisch das Meerwasser an zwei Messpunkten in unmittelbarer Nähe zum Auslaufkanal des KKW Fukushima Daichii und an zwei weiteren, südlich gelegenen küstennahen Messpunkten in 10 km bzw. 16 km Entfernung (beim KKW Fukushima Daini) auf diese radioaktive Kontamination untersucht. Außerdem startete das Technologieministerium (MEXT) ein ergänzendes Messprogramm in größeren Entfernungen zum KKW.
Von den analysierten Nukliden sind besonders I-131, Cs-134 und Cs-137 radiologisch relevant. Der Kontaminationsverlauf an zwei Messpunkten ist in den nachfolgenden Abbildungen dargestellt. Nach starken Schwankungen der Aktivitätskonzentrationen wurde am 30.03.2011 am Messpunkt in einer Entfernung von 330 m südlich des Auslaufkanals das bisherige I-131-Maximum von 180.000 Bq/l (das entspricht 180 Bq/cm³, da 1 l = 1000 cm³) erreicht. Der Maximalwert der Cs-Isotope trat zeitgleich mit jeweils 47.000 Bq/l auf.
Weitere Analysen weisen darauf hin, dass sich ein maßgeblicher Teil der ins Meer gelangten Radioaktivität entlang der Küste Richtung Süden ausbreitet. Außerdem wird ein nicht unerheblicher Teil der freigesetzten Aktivität direkt auf den Pazifischen Ozean hinausgetragen.
Künstliche Radionuklide in der Meeresumwelt
Nennenswerte Einträge von Cs-137 aus flüssigen Ableitungen in die Meeresumwelt sind insbesondere aus der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield in Großbritannien aus früheren Jahren bekannt. So ergab sich z. B. für 1978 aus einer Ableitung von 4100 TBq (= 4100 x 10¹² Bq) eine mittlere Cs-137-Konzentration an den küstennahen Stationen Seascale und St. Bees von 28 Bq/l. Das Maximum wurde im Mai 1980 bei Seascale mit 130 Bq/l ermittelt. Bis 1991 war die Kontamination der Irischen See bis auf 0,5 Bq/l zurückgegangen.
Obwohl die in unmittelbarer Nähe des Kraftwerkes Fukushima Daiichi gemessenen Cs-137-Aktivitätskonzentrationen deutlich höher sind als die 1978 in der Irischen See gemessenen Konzentrationen, ist nach einer ersten groben Abschätzung die bisher von Fukushima in den Pazifik eingeleitete Cs-137-Aktivität noch um etwa eine Größenordnung niedriger.
Einschätzung möglicher Konsequenzen auf den Menschen und auf Meeresorganismen
Von japanischen Behörden wurde nach Bekanntwerden der sehr hohen Aktivitätskonzentrationen der genannten drei Nuklide die Bevölkerung aufgefordert, das Meer in der Nähe des KKW auf keinen Fall zu betreten.
Eine Abschätzung durch die GRS der Strahlenexposition eines Schwimmers mit einem Expositionsmodell liefert an der Stelle mit den höchsten Messwerten (330 m südlich des Auslaufs) eine Dosisleistung von bis zu 100 µSv/h.
Die japanische Küche ist dafür bekannt, verschiedene Meeresalgen zu verwenden und auch in Europa gewinnt das „Meeresgemüse“ an Bedeutung. Bei diesen Pflanzen handelt es sich um Grünalgen, Rotalgen und Braunalgen, die alle Jod in unterschiedlichem Maße anreichern. Die in Japan beliebte Braunalge Kombu ist wegen des sehr hohen natürlichen Jodgehaltes in Deutschland nicht als Lebensmittel zugelassen.
Da die Algen bei der Jodaufnahme nicht zwischen den einzelnen Jod-Isotopen „unterscheiden“ können, wird das aus dem KKW Daiichi freigesetzte Jod-131 in gleicher Weise wie das natürlich vorhandene stabile Jod aufgenommen und reichert sich innerhalb weniger Tage an.
Die Abschätzungen der GRS ergeben, dass sich aus den Maxima der gemessenen Aktivitätskonzentrationen (Messpunkt in 330 m Entfernung vom Auslauf) bei einem Verzehr von lediglich 100 g Algen eine effektive Dosis zwischen maximal 2,2 mSv (Rotalgen) bzw. 220 mSv (Kombu) ergeben würde. Damit wäre der in Deutschland gültige Grenzwert der Jahresdosis für Personen der Bevölkerung über alle Expositionspfade von 1 mSv bereits bei dem Verzehr von 1 g Kombu, das aus der Nähe des Auslaufkanals stammt, überschritten.